Willkommen in Berlin, Hochburg des interreligiösen Dialogs

Bismillah ar-Rahman ar-Rahim; Im Namen Gottes des Gnädigen, des Barmherzigen.

Shalom, Salam, willkommen in Berlin! Willkommen in der Hochburg des interreligiösen Dialogs. Berlin ist die Hochburg des interreligiösen Dialogs nicht erst seit gestern oder seit heute, weil UPF hier ist, sondern schon seit vielen Jahren, Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten. Bevor ich aber etwas darüber sage, liegt mir eine andere Sache sehr am Herzen und ich glaube, Ihnen auch. Es passiert ja sehr viel Schreckliches in unserer Welt, nicht nur in Afrika, Israel und Palästina, sondern auch hier vor unserer eigenen Haustür.


Vor einigen Tagen wurden wir alle Zeugen, wie ein Jugendlicher Amok lief, und mit einer Pistole viele Menschen erschossen hat. Mein besonderes Anliegen heute ist es, dass wir uns erheben und eine Gedenkminute einlegen für die Toten, aber auch für die, die ihre Kinder, ihre Mutter oder ihren Vater, oder wen auch immer, verloren haben. Das ist auch ein Teil unserer Friedensarbeit. Darum bitte ich euch jetzt aufzustehen, während ich eine Kerze anzünde. Das Licht der Kerze symbolisiert das Licht des Lebens, das helle Licht für den Frieden in aller Welt!


Dazu möchte ich ein kurzes Gebet sprechen:

„Herr über Leben und Tod.

Du hast seine Seele zu Dir genommen,

die du einst zum Leben gerufen hast.

Sei barmherzig mit ihnen,

aber sei auch barmherzig mit den Zurückgebliebenen,

die nicht nur der Verlust schmerzt,

sondern die auch die Angst vor dem eigenen Tod,

bei Ereignissen so wie diesen immer wieder einholt.


Wir wissen nicht was hinter dem Zaun ist,

aber wir dürfen hoffen,

denn Du hast uns Leben versprochen.


Das Leben ist Dein Ziel mit uns,

auch das Leben nach dem Tod.


Wir werden den Tod nicht entrinnen,

denn in Deiner Gerechtigkeit wirst er uns alle ereilen,

aber wir können die Angst überwinden

mit Vertrauen zu Dir.


Jeden Tag gehen wir alle einen Schritt weiter

auf unser Ende zu.

So hilf uns denn, nach dem letzten Schritten weiter zu gehen,

wie auch immer,

und lass bis dahin die, die uns vorausgegangen sind,

bei uns nicht in Vergessenheit geraten.


Lass uns nicht in Angst oder Schrecken

vor dem Ende leben,

sondern in der Hoffung auf das Weitergehen.

Amen.“


Ich sagte ja zu Anfang, dass Berlin die Hochburg des interreligiösen Dialogs ist. Das wissen viele nicht. Es gab vor über 200 Jahren einen berühmten Mann, ich spreche von König Friedrich Wilhelm I von Preußen, der bereits 1713 gesagt hat: „Alle Religionen sind gleich, und gut, wenn nur die Leute, die sich zu ihnen bekennen, ehrliche Leute sind!“

Ich hoffe, dass wir alle, die heute hier in diesem Raum sind, ehrliche Leute sind, die es ehrlich meinen, und nicht nur sagen „Na ja, ich gehe mal heute nach Berlin zur UPF.“ Nein, es muss uns ein Herzensanliegen sein, den Frieden weiterzugeben.

König Friedrich Wilhelm I sagte weiter: “Und wenn die Türken kämen, und wollten hier im Lande leben, dann würden wir ihnen Moscheen bauen.“

Er nannte die Türken bei Namen, aber er meinte damit natürlich auch andere Religionen. Lasst sie kommen, all die verschiedenen Religionen. Aber viele haben noch keinen Platz bei uns gefunden, weil wir das Wort des Königs nie ernst genommen haben. Wenn ich es recht in Erinnerung haben, gibt 180 verschiedene Religionsgesellschaften alleine hier in Berlin. Die Zahl wird ständig wachsen.

Ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Tag. Und für Morgen rate ich Ihnen, ziehen Sie sich warm an, nehmen Sie einen Regenschirm mit. Wir marschieren für den Frieden, auch wenn es regnet.

Es gibt eine Gruppe von Friedensaktivisten* mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit, die schon seit sieben Jahren jeweils am ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr immer am Gendarmenmarkt ein Friedensgebet organisiere, egal ob es regnet oder schneit, oder die Sonne lacht. Wir stehen da, preisen Gott und beten für den Frieden in den Welt. Es sind nicht nur Muslime, sondern auch Christen, Juden, und sogar Atheisten, die ebenfalls die Bedeutung des Frieden für unsere Gesellschaft erkennen.

Ich wünsche Ihnen für heute viel gute Erkenntnis und Einsicht. Und lasst uns morgen alle zusammen zur großen Friedenskundgebung der UPF gehen. Vielleicht ist unter Ihnen ja jemand, der morgen bei der Kundgebung auch gerne ein Gebet oder etwas sagen möchte. Haben Sie den Mut, machen den Mund auf und machen Sie Ihrem Herzen Luft, so dass alle Leute, die ringsherum stehen, es hören können. Alles Gute noch weiterhin in Berlin und Gottes Segen.

*Interreligiöses Friedensgebet Berlin (www.friedensgebet-berlin.de)



Aus dem Buch: „Auf dem Weg zu einer friedlichen Gesellschaft III“

Kando-Verlag 2009, 131 Seiten, Taschenbuch, ISBN 3-922947-40-9

www.kando-veralg.de

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